III. Die Gründung der Gemeinde Klarastraße

Der seit 1900 die Friedenskirche bedienende Prediger Hermann Meyer mietete im neu nach Chemnitz eingemeindeten Stadtteil Hilbersdorf in einem noch im Bau befindlichen Haus Klarastr. 43 eine Erdgeschoss-Wohnung , wobei 2 zur Straßenseite gelegene Räume ohne Zwischenwand gebaut wurden und so ein 40 Quadratmeter großer Raum entstand. Familie Anna und Oskar Richter erhielt von der Friedenskirche den Auftrag, vom Brühl nach Hilbersdorf zu ziehen, um die kirchliche Arbeit dort u beginnen

So geschah es, und am 2. Oktober 1904 fand in der Klarastraße 43 der erste Gottesdienst statt. Der Besuch war gut, der Raum vollständig gefüllt. Bruder Richter war damit neben seiner Berufstätigkeit im Reichsbahnausbesserungswerk nun auch Gemeindeverwalter, Küster und Sonntagschulehrer.

Die Freude über den großartigen Erfolg wurde jedoch schon am Tag nach der ersten Versammlung getrübt Die Baupolizei erschien und erklärte die verbliebenen hinteren Zimmer in der Wohnung seien für die 3-köpfge Familie zu klein. Damit war entweder Auszug der Familie Richter oder Versammlungsverbot angesagt. Es wurde das Letztere gewählt und dann eröffnete sich ein endlos erscheinender Beschwerdeweg von Behörde zu Behörde, ein Vorgang, der uns auch heute im Jahr 2004 (zur Erstellung dieser Festschrift) nicht fremd erscheint.
Bruder Pastor Meyer konnte nach wochenlangen Bemühungen schließlich die Wiederaufnahme der Versammlungen bei gleichzeitigem Verbleib der Familie Richter erreichen, aber die Gottesdienste waren fortan nur noch mit ein einzelnen Andächtigen gefüllt Da sich der Zustand längere Zeit nicht besserte, wolte man die Nebenstelle der Friedenskirche bereits wieder schließen.
Nur wenige Brüder - darunter auch Vorstandsmitglied Bruder Heber - waren damit nicht einverstanden Sie meinten "Und wenn nur eine Seele gerettet wird, so sei das Lohn genug ". Dem Glauben dieser Brüder verdanken wir unsere (nun seit 1928 selbständige) Gemeinde.

Unter schwierigen Bedingungen zeichnete sich als erster Erfolg die Zunahme der Besucher der Sonntagschule ab. Dort wurde viel gesungen, ein Harmonium oder ein anderes Musikinstrument gab es nicht. Bruder Richter bezog auf eigene Rechnung eine Anzahl von "Friedensglocken ", die er in der Nachbarschaft und in seiner Arbeitstelle austeilte So kamen Friedensglocken auch nach Falkenau, Flöha, Frankenberg u.a. Ortschaften. Auf diese Weise wurden sowohl Geschwister als auch Abonnenten gewonnen, so das schon bald 350 "Friedensglocken " ausgetragen werden konnten.

Für uns ist kaum vorstellbar, dass man nach den Gottesdiensten die Sonntagnachmittags stattfanden in den benachbarten Zeisigwald wanderte, wo bis zur Dämmerung gespielt und gesungen wurde.

Den großen Mangel durch das Fehlen eines Instruments behob Bruder Oskar Richter.
Mit einer Liste bewaffnet besuchte er alte Geschwister der Friedenskirche und lief von Haus zu Haus. In kurzer Zeit hatte er 100,- Mark gesammelt, Prediger Meyer hat dann noch einen Rest dazugelegt und Hilbersdorf hatte endlich ein Harmonium.

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